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8. Okt. 2020 - Und immer wieder - die Crux mit der Logik

NEIN, ich bin gegen den Freibrief

Wieder kam ein langer Artikel über die Aartalbahn im Wiesb. Kurier, denn es geht auf den Endspurt zu, die Abstimmung der Wiesbadener Bürger am 1. 11. 2020 über diese geplante Wiesbadener City-Bahn. Und wieder wird das Hauptproblem einfach ausgeblendet oder ignoriert.
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50 Jahre zurück = dann müsst "ihr" eben mobil werden ....

Als vor 50 Jahren das Wohnungsproblem der arbeitenden Bevölkerung in den Innenstädten der Großstädte (also fast aller Großstädte) eskalierte, wurde uns von unseren Politikern - in Stadt, Land und Bund gleichermaßen - über Jahrzehnte nachhaltig und nahezu täglich eingetrichert .....

Ihr "müsst" dann eben weiter ausserhalb wohnen.


Und als brave Bürger oder auch Marionetten haben viele Mitmenschen das auch so gemacht und sind in die neu ausgewiesenen Baulandflächen bzw. Neubaugebiete hinter den Taunuskamm (oder den Odenwald oder nach Rheinhessen und den Hunsrück) ausgewandert. Das betraf hier bei uns die Wiesbadener Behörden, auch das ZDF und die ehemals großen Versicherungen, die alle im Stadgebiet angesiedelt waren.

Die kleinen Gemeinden hinter dem Taunuskamm waren glücklich, endlich weitere jüngere gut verdienende Steuerzahler in ihre überalterten Bewohnergebiete zu locken. Daß sie damit uns hier in Wiesbaden ein dickes Problem bescheren würden, wenn das so weiter ginge, wurde völlig ignoriert. "Ich" bin mir erstmal selbst der Nächste.

So ist Taunusstein und Schlangeband und Bad Schwalbach und der ganze umliegende ländliche Bereich gewachsen und gewachsen und gewachsen.

Mit dem Schrumpfen der Versicherungen in Wiesbaden verlagerten sich viele Arbeitsstellen zunehmend nach Mainz (ZDF) und in die Frankfurter Bürostädte Eschborn, Niederrad und auch an den Flughafen.
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So langsam eskalierte unser Wiesbadener Stau-Problem :

Doch die Fahrstrecken dorthin (über den Taunuskamm) waren dafür gar nicht ausgelegt. Es gibt da nur
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  • (1) die B275 zur A3 Auffahrt in Idstein,
  • (2) die B455 aus Niedernhausen über Bierstadt,
  • (3) die 417 über die "Platte" und
  • (4) die B54 über "Eiserne Hand" und
  • (5) den Wambacher Stich (B260).
    Die Fahrt über
  • (6) die "Hohe Wurzel" und das Chaussee-Haus und Lahnstrasse
    ist morgendliche grenzwertige Raserei auf engster Straße.

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Weitere solche Negativ-Beispiele wie die in Bad Homburg/Nord ewig überfüllte Saalburg-Straße und die katastrophale Darmstädter Ost-Anbindung nach Dieburg und in den nahen Odenwald nur durch die Innenstadt gibt es viele.
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Fazit : Das Problem ..... ist uns aufgezwungen worden !

Diese Autofahrer (also die Bürger, die das Geld für die Familie und das Finanzamt und die Sozialkassen erarbeiten) wollen fast alle (nur und ganz schnelll) durch Wiesbaden durch, mangels Alternative. Die Aartalbahn wurde vor 30 Jahren von kurzsichtigen Bundesbahn Beamten aus Bonner Ministerien stillgelegt und verrottete.

Auch die Wiesbadner Politiker hatten überhaupt keine Vision, daß das mal eskalieren könnte, obwohl es mehrere Verkehrszählungen gab. Im Kurier-Archiv ist das alles zu finden. Die Frage ist also :
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Was ist das Problem ? Die Pendler ohne Alternative !

Die zweite Frage (für mich) ist, wer müßte eigentlich dafür aufkommen ? In der Regel muß in unserer Gesellschaft der Verursacher für sein Tun und Handeln gerade stehen.

Die Gemeinden dort hinter dem Taunskamm haben (aus meiner Sicht) alle Vorteile freudig angenommen und einkassiert und das Problem den anderen überlassen, in unserem Fall den Wiesbadenern. Daß man die Infrastruktur schon vor 20 Jahren hätte angehen müssen (dann wäre die Trasse der Aartalbahn nicht so verrottet), das ist eine gleichartige Krücke wie unsere Wiesbadener Autobahn-Brücken, die erst kurz vor dem Einsturz saniert bzw. neu gebaut werden (müssen!).
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Wieder zurück zur Logik - das Problem in Wiesbaden :

Auf den Plakaten der Gegner lesen Sie : Wer profitiert (wirklich) von der City-Bahn ?

Der Name sagt doch schon, es soll eine Bahn für die City werden. Nach bisherigen Planungen steht nahezu fest :

  • Rambach,
  • Sonnenberg,
  • Kloppenheim,
  • Bierstadt,
  • Igstadt,
  • Nordenstadt,
  • Erbenheim,
  • Dotzheim Mitte,
  • ein Teil vom Kohlheck,
  • Freudenberg und
  • die HSK Kliniken


profitieren davon schon mal gar nicht.

Von

  • Naurod,
  • Breckenheim,
  • Medenbach,
  • Schierstein und
  • Delkenheim


wollen wir da gar nicht reden.

Die Wiesbadener Innenstadt profitiert davon auch nicht, dann dort kann man fast überall hin laufen. Es verbleiben Klarental, eventuell Biebrich und evtl. Amöneburg und Kastel ? - wirklich ?. Biebrich hat Einkaufsmöglichkeiten in Hülle und Fülle. und die Bürger von Kastel laufen schneller über die Theodor Heuss Brücke nach Mainz dort in die Innenstadt als mit der Bummelbahn nach Wiesbaden Stadtmitte zu fahren.
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Aber das Wichtigste, "unser" lokales Problem wird vertagt.

Die beiden erfolgreichen Beispiele, die Ländchesbahn über Erbenheim nach Niedernhausen/Idstein und die Ländchesbahn von Mainz nach Alzey zeigen doch, dort muß angefangen werden. Ich muß mit aller Kraft bei dem aktuellen Problem anfangen, sonst wird es wie bei der Bölkestraße - nach 30 Jahren Planung - am Ende "durfte" es 22 Jahre dauern, bis endlich endlich etwas passiert.
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Und jetzt wird ideologisch verdreht und verdrängt ....

Frankfurt zeitgt doch, daß es nahezu gleichgültig ist (von den Kosten her gesehen) ob ich Schmalspurschienen oder Bundesbahn/S-Bahn- Schienen in den vorhandenen Straßen verlege. Das gleiche gilt auch für die verrottete Trasse der Aartalbahn. Die jetzige City-Bahn-"Planung" beschert uns wieder mal eine technologisch einsame Insel, die nirgendwo ans Bahnschienennetz (zum Beispiel bis zur Frankfurter Hauptwache) angebunden werden kann, und die in 20 Jahren wieder abgerissen wird und das ganze wird am Ende 1 Milliarde Euro kosten - siehe Rhein-Main-Hallen (von anfänglich 80 auf 250 Millionen "gesteigert").

Vor allem eines regt mich immer wieder fürchterlich auf, alles wird - auf (PPP) Kredit gebaut - auf die nachfolgenden Genenerationen geschoben, verlagert, die das alles bezahlen sollen (oder müssen) und es  gar nicht (also so nicht) haben wollen (siehe dieses Museum in der Wilhelmstrasse).
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Das "Problem" hat absoluten Vorrang vor allen Träumen ...

Wie bekomme ich die KFZ-Pendler von "hinter der Platte / Eisernen Hand" ins Rhein-Main-Gebiet - ohne das eigene Auto ?

Mein Grundastz seit über 30 Jahren heißt "Locken und Ködern". "Ihr" (also die sogenannten Umweltschützer) könnt Sie nicht zwingen, wie die Staus auf den Straßen doch immer wieder zeigen. Neue Ideen braucht doch gar keiner von den alten Männern (und Frauen) im Stadtparlament zu erfinden, die sind doch alle schon da.
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Die Verursacher müssen alle mit ins Boot, auch finanziell !!!!!.

Das bedeutet, ich brauche eine Planung für ein attraktives Angebot an die Pendler. Es "muß" komfortabel und bequem sein und es muß schnell und sicher und auch preislich attraktiv sein.

Vor allem "schnell" muß es sein, schneller als mit dem eigenen Auto. Eine bummelnde Straßenbahn durch die Wiesbadener Innenstadt - und dann auch noch bis zum Hauptbahnhof - ist aus meiner Sicht der völlig falsche Ansatz, das ureigenste Pendler-Problem zu lösen.

Die S-Bahn fährt von Wiesbaden nach Mainz um Dimensionen schneller als jede noch so schnelle Straßenbahn und diese S-Bahn gibt es schon. Die wenigsten Pendler wollen in die Wiesbadener Stadtmitte. Also wäre der HBF zu umrunden, direkt auf dem kürzesten Weg "durchbrettern" nach Wiesbaden-Ost und von dort nach Frankfurt zum Flughafen und nach Niederrad.

Die alte verrottete Taunus-Trasse müsste ja so oder so reaktiviert werden, also diese ganze Argumentation steht auf Sand, es würde zuviel Geld kosten. Die Gemeinden dort im Hinter-Taunus - alle zusammen - sind für attraktive Park&Ride Parktplätze an den (drei ?) Zusteigestellen Bad-Schwalbach, Wehen und Eiserne Hand zuständig. Es kann nicht Wiesbadens Aufgabe sein, deren Probleme zu lösen.

Ein einziger Blick auf den ICE-Bahnhof nach Montabaur genügt, um das Aartalbahn-Konzept zu untermauern.
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Es gibt natürlich ganz brutale Methoden .... siehe Köln

Autos müssen eben warten
bis wieder Freiraum da ist

Im gesamten Bereich des Kölner Rings (vornehmlich auf beiden Seiten der A3) gibt es für nahezu alle Autobahnauffahrten (quasi die Zufahrten) sogenannte Verkehrsfluß- Ampeln. 2 KFZ dürfen rein, die anderen (müssen) 30 Sekunden oder bis zu 2 Minuten warten, teilweise sogar mit Schranken, weil einige resistente Autofahrer viel zu oft bei "rot" trotz sichtbarer (Radar-) Foto- Kamera durchgefahren waren.
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Und es funktioniert ......

Also stelle ich mir "bösartigerweise" vor, am Chaussee-Haus (das ist die Lahnstrasse), sowie auf der B54 und der B417 in Höhe der Fischzucht / Fasanerie und damit lange vor "Unter den Eichen" werden solche Ampeln mit Schranken hingestellt, die Morgens und Vormittags vom aktuellen Verkehrsfluß (dem Verkehrszähler) des 1. Rings am Wiesbadener Landeshaus runter bis zum Hauptbahnhof automatisch gesteuert werden.

Funktionsgemäß Gleiches gilt Nachmittags und früh Abends für die A66 Abfahrt Erbenheim zur B455 (Innenstadt) und die Abfahrt Mainzerstraße (Innenstadt) Sowie die Abfahrt Biebricher Allee (Innenstadt) und Schiersteiner Straße (Innenstadt) und natürlich auch die Zubringer Autobahnen wie die A671 und die A643.
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Auch das wird ein riesen Geschrei geben ....

Und somit bekommen wir die "eigentlichen" Verursacher aus dem Hintertaunus mit an den "Poker"-Tisch, weil auch dort irgendwann wieder gewählt wird.

Und "Schwups die Wupps" haben wir in kürzester Zeit eine funktionierende Aartalbahn von Limburg/Bad Ems bis Frankfurt Flughafen und unter die Hauptwache. Schaun Sie mal rein in das Karlsruher Modell (oder auch Vorbild oder Muster).

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Eugen Thielen aus Wiesbaden schreibt :
"Enttäuschung"

Als Befürworter der City-Bahn aus dem Dichterviertel bin ich vom Ergebnis zwar enttäuscht, aber nicht überrascht. Die Stadtteile mit Zustimmung decken sich gut mit den Bewohnerparkzonen, in denen ein dauerhaft hoher Parkdruck besteht.

Wer im Rheingauviertel einen Parkplatz auf der Straße hat, bewahrt ihn wie einen Schatz und nutzt vorteilhafter Rad und Bus. In Gebieten mit ausreichend Autostellplätzen auf Grundstücken und in Tiefgaragen überwiegen hingegen die Nachteile wie Staus durch Baustellen und wegfallende Parkplätze auf der Bahntrasse.

  • Anmerkung : Da teile ich die Auffassung unserer Gesetze für alle, daß niemand ein Anrecht auf einen öffentlichen oder auch privaten Parkplatz hat. Zum Beispiel bin ich für eine Tiefgarage am Elsasser Platz, auch gegen Entgelt für gemietete Dauerparklätze. Es kan nicht eine Gemeinwohlaufgabe sein, den Autobesitzern Dauer-Parkplätze kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Auch die KFZ Steuer ist dafür kein Alibi oder Argument..


Bereits die parlamentarische Entscheidung für den Bürgerentscheid in Wiesbaden ist anmaßend und wird dem Thema einer City-Bahn von Bad Schwalbach über Wiesbaden nach Mainz nicht gerecht.

Dieses Ergebnis hätte offensichtlich auch durch eine einfache und kostengünstige Auswertung des Amtes für Wahlen und Statistik gefunden werden können. Nun bleibt zu fragen, wie ein Bürgerentscheid über die „Wiesbadener Verkehrswende" ausfallen würde?

Laut Verkehrsentwicklungsplan soll der für Städte überdurchschnittliche Anteil am Autoverkehr zugunsten von Fuß-, Rad- und Busverkehr deutlich
vermindert werden, damit die Lebensqualität der lärm- und abgasbelasteten Bürger der Innenstadt verbessert wird.

Eine basisdemokratische Mehrheit sehe ich dafür nicht. Deshalb wünsche ich den politisch Verantwortlichen nun mehr Mut und Überzeugungskraft, um zumindest dieses umweit- und klimapolitische Ziel parlamentarisch durchzusetzen. Ohne eine angemessene Anlehnung an den strategischen Grundsatz "Frage nie die Frösche, deren Sumpf du austrocknen willst" wird die Verkehrswende nicht gelingen.

Eugen Thielen, Wiesbaden

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